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Koryphäe und „Feuerwehrmann“ der Geotechnik

Annerose Brandl und ihr Enkel Alexander nahmen die Urkunde für Prof. Dr. Heinz Brandl entgegen.

Die Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät der Universität Siegen ist die erste deutsche Universität, die dem international bereits vielfach ausgezeichneten, österreichischen Wissenschaftler Prof. Dr. Heinz Brandl den Titel des Ehrendoktors verleiht.

Heinz Brandl gilt international als einer der prägendsten Wissenschaftler der Geotechnik, und wenn man ihn korrekt ansprechen würde, müsste man tief Luft holen: Prof. Dipl-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. mult. Heinz Brandl. 19 Ehrendoktor-Titel trägt der österreichische Bauingenieur und Geotechniker sowie emeritierte Professor der TU Wien.

Im Rahmen des Symposiums für Geomesstechnik der Universität Siegen kam nun ein weiterer dazu. Die Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät verlieh ihm – als erste deutsche Universität – die Ehrendoktorwürde. „Den Titel des Ehrendoktors an Heinz Brandl zu verleihen, ist auch eine Ehre für unsere Universität“, erklärte Prof. Dr. Richard Herrmann als ehemaliger Leiter des Lehrstuhls für Geotechnik, der fachlich und persönlich mit Brandl seit vielen Jahren eng verbunden ist. Brandl hat zahlreiche Symposien mit den Siegener Fachkolleg*innen gestaltet. Wichtige Publikationen sind dabei entstanden.

Leider konnte Brandl die Ehrendoktorwürde aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich in Empfang nehmen. Der 82-Jährige schickte aber eine Audiobotschaft, bedankte sich für die Auszeichnung und betonte die Bedeutung der langjährigen guten Zusammenarbeit mit der Universität Siegen sowohl in wissenschaftlicher als auch in praktischer Hinsicht und wünschte dem Siegener Lehrstuhl Geotechnik weiterhin Erfolg in der Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger an der TU Wien. Stellvertretend nahmen seine Ehefrau Annerose Brandl und sein Enkel Alexander, die beide aus Wien angereist waren, die Urkunde aus den Händen von Prof. Dr. Holger Foysi, dem stellvertretenden Dekan der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät, entgegen.

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Rafig Azzam von der RWTH Aachen. Er ließ die Lebensleistung von Prof. Brandl Revue passieren. Brandl habe die Geotechnik an der TU Wien wesentlich geprägt. Seine Ingenieurleistungen beziehen sich auf Straßen, Brücken, Tunnel, Dämme, Hangsicherungen aber auch auf Kraftwerke und Hochwasserschutzanlagen. Zu den berühmten Bauwerken, an deren Planung und baulichen Entwicklung beziehungsweise Erhaltung Brandl entscheidend beteiligt war, gehören die Highland Towers von Kuala Lumpur, die Autobahnbrücke Kufstein und der Schiefe Turm von Pisa.

„Professor Brandl ist ein interdisziplinär aufgestellter Wissenschaftler, der keine Angst vor unkonventionellen Lösungen hat“, betonte Azzam. Er bezeichnete Brandl auch als „Feuerwehrmann der Geotechnik“, der immer gerufen wird, wenn es bautechnisch „brennt“. Auch die Liste von Brandls Publikationen ist lang. Von ihm stammen über 580 wissenschaftliche Veröffentlichungen, die teilweise in 21 Sprachen übersetzt wurden, darunter zahlreiche Bücher und auch philosophische Beiträge. „Brandl hat Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprägt“, erklärte Azzam in dem Zusammenhang.

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde war Teil des zweitägigen Siegener Symposiums für Geomesstechnik, veranstaltet vom Lehrstuhl für Geotechnik unter der Leitung von Prof.‘in Dr. Kerstin Lesny. Das Tagungsprogramm beschäftigte sich mit dem Thema „Aktuelle und zukünftige Herausforderungen – vom Vier-Augen-Prinzip zur KI“. Die klimabedingt zu erwartende Zunahme von Extremwetterereignissen stellt die bebaute Umwelt vor erhebliche Herausforderungen und erfordert die Entwicklung geeigneter Anpassungsstrategien. Der Geomesstechnik kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn verknüpft mit der mathematisch-mechanischen Modellbildung liefert sie die Grundlage für die Bewertung möglicher geomechanischer Risiken und für die daraus abzuleitenden Planungsmaßnahmen. Im Symposium wurden aktuelle Entwicklungen, die Möglichkeiten und Grenzen der Geomesstechnik in einem interdisziplinären und thematisch breit angelegten Kontext ausgelotet.

Annerose Brandl und ihre Enkel Alexander nahmen die Urkunde der Ehrendoktorwürde stellvertretend für den erkrankten Prof. Dr. Heinz Brandl, entgegen. Es gratulierten (von links): Prof. Dr. Richard Herrmann, Prof. Dr. Rafig Azzam, Prof.‘in Dr. Kerstin Lesny, Prof. Dr. Holger Foysi und Prof. Dr. Jürgen Jensen.

Aktualisiert um 16:14 am 14. März 2023 von Thomas Reppel.